Merseburg bezaubert

Merseburg gilt manchem als Mutter der mitteldeutschen Städte - diese Zuschreibung verdankt die Stadt an der Saale einer Person: Bischof Thietmar von Merseburg (1009 - 1018). Bereits in seiner Bibliothek müssen sich die Merseburger Zaubersprüche befunden haben - die älteste althochdeutsche Handschrift mit heidnischem Inhalt.

Tausendjährige Geschichte gibt es auf Schritt und Tritt zu entdecken. Über der Saale und mit einem überwältigenden Blick auf die Kreisstadt und die Aue thronen der gotische Dom, dessen Grundsteinlegung vor tausend Jahren erfolgte, und ein Renaissance-Schloss in einmaliger baulicher Geschlossenheit. Im September jeden Jahres wird der Kaiserdom Anziehungspunkt für Musikbegeisterte: Die Merseburger Orgeltage laden ein. Das Musikfestgehört seit Jahrzehnten zu den musikalisch-kulturellen Höhepunkten im Musikland Sachsen-Anhalt. "Bach - Mozart - Reger" lautet das Motto der 46. Merseburger Orgeltage 2016, die vom 10. bis 18. September stattfinden. Domorganist Michael Schönheit, der künstlerische Leiter der Merseburger Orgeltage, hat erneut international renommierte Solisten und Ensembles eingeladen. Im Mittelpunkt der Orgelkonzerte steht die mit fast 5700 Pfeife und 81 Registern klanggewaltige Ladegast-Orgel. Und in dieser historischer Kulisse und an einem Ort, von dem aus die mitteldeutsche Musiklandschaft seit Jahrhunderten mitgestaltet wird, finden innerhalb der Musikreihe Merseburger DomMusik von Mai bis zum September die besten Künstler und Ensembles dieses Klangraumes ihr Podium.

Jeweils am zweiten Juni-Wochenende nehmen die Bürger mit ihrem Merseburger Schlossfest das ansonsten erhabene Dom-Schloss-Ensemble in ihren Besitz. Getragen von ambitionierten Kulturbeiträgen der leistungsfähigen Musikvereine, weltmeisterschaftsprämierten Tanzvereine und Kunstradsportgruppen aus Merseburg und der Geiseltalregion, brennt ein Feuerwerk der Unterhaltung ab, zu dem die von weither anreisenden Besucher des Schlossgartens, des Domplatzes und des Schlosshofes in einen Trubel gezogen wird, der sie nicht mehr loslässt. Absoluter Höhepunkt dabei ist unbestritten der historische Festumzug, in dem fast Tausend Mitwirkende bedeutende Epochen und Episoden der Stadtgeschichte Merseburgs präsentieren.

Wenn im Sommer die Nächte kurz und warm sind, gibt es die SchlossGrabenNächte mit stimmungsvollen, weil handgemachten Konzerten. Irish Folk, Revival von Größen des Folk, aber auch von Rock und Beat sind die künstlerischen Themen jeweils einer Samstagnacht. Das Besondere dabei ist, dass auch die Gastronomie mit ihren Angeboten den Charakter der Veranstaltung bedient.

Vom 2. bis zum 3. Advent bilden der Renaissance-Schlosshof und der Domplatz die zauberhafte Kulisse für die Merseburger Schlossweihnacht. Der Duft von Feuerzangenbowle und Glühwein mischt sich auf besondere Weise mit dem aus weihnachtstypischem Naschwerk, Gebäck und Gebratenem. Dazu zauberhafte Kinderkarussells und ein Warenangebot, das dieser Jahreszeit gerecht wird - fertig ist ein Handelsmarkt, der kaum Wünsche offen lässt.

Wen die lebendige Kunstszene des Mitteldeutschen Raumes und die wechselvolle Geschichte der Stadt interessiert, besucht die Galerien und Museen: Sie führen in unterirdische, jahrhundertealte Gewölbe wie auch zu Ehrfurcht einflößenden Industriedenkmalen. Einstmals Bistums- und barocke Herzogsresidenz, später beschauliche Beamten- und Regierungshauptstadt der preußischen Provinz Sachsen, im vorigen Jahrhundert innovatives Zentrum von Chemieindustrie und Technikentwicklung - Merseburg bezaubert jeden, der es besucht.

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