Woher hat die Hoffischerei ihren Namen?

Hoffischerei 16062022 ©Biemann

Am 16. Juni wurde das 51. Zusatzschild "An der Hoffischerei" angebracht. Schilderpate ist Hendrik Seeburg. Er hat bereits die Schilder für die Sixtistraße (2020) und die Altenburg (2022) finanziert.

Katja Finger erklärte den Namen: 1661 errichtete Herzog Christian I. in der Nähe der Hälterbrücke an den von der Klia gebildeten Fischteichen – den Fisch-Hältern, wo die Fischhälter ihre Grundstücke hatten, eine Hoffischerei, also ein Haus für den Hoffischer. Die frühere Karlstraße gab es freilich damals noch nicht; das Haus hatte die behördliche Bezeichnung: „An der Hoffischerei 693“. Hier standen außer der Hoffischerei nur wenige Häuser am oberen Ende des Weges – nur noch ein paar Scheunen. In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhundert ist in Merseburg kein Hoffischer mehr nachweisbar, die Teiche waren längst verpachtet und vielleicht war Johann Heinrich Ochse, der bis zu seinem Tod 1844 in dem kleinen Haus „An der Hoffischerei 693“ wohnte, der letzte Hoffischer. 

1860 war es die Dienstwohnung des Kreiswegeaufsehers und Floßvorstehers Ziegler. Später besaß es der Maurer Kühn, dann ein Ofensetzer, von dem es 1895 der Regierungshauptkassenbuchhalter Schünzel erwarb, dessen Erben es bis 1955 besaßen. Es wurde mehrmals umgebaut und die nördliche Hälfte des Vorderhauses Nr. 5, wurde bei einem Bombenangriff im Oktober 1944 stark zerstört. Die Alte Hoffischerei jedoch war schon jahrzehntelang an der Einengung der Straße ein Verkehrshindernis, was durch die Straßenbahnlinie noch verstärkt wurde. 1957 wurde das alte Gebäude dann endgültig abgebrochen. Im Nebengebäude war das Gasthaus „Zur Hoffischerei“ in der Karlstraße 7, das bereits vor 1854 bewirtschaftet wurde und verschiedene Besitzer und Pächter hatte. Bis 1990 war es HO- Speisegaststätte und ab April 1991 wieder privat bewirtschaftet, aber Anfang der 2000er Jahre auch abgerissen. Die Straße „An der Hoffischerei“ erstreckt sich heute von der Hälterstraße bis Kreuzung Seffner-/S.- Berger-Straße.

Die Straße wurde in den letzten ca. 150 Jahren mehrmals umbenannt:

1863 erstmals erwähnt

1875 Teil der Karlstraße

1928 Teil der Ebertstraße

1945 Teil der Friedrich-Ebert-Straße

1974 Teil der Straße der DSF

1990 wieder An der Hoffischerei

1990 wurde ein Teil der Straße „An der Hoffischerei“ zur Dammstraße.

Die durchgängige Nummerierung der Häuser wurde 1873 aufgegeben und nun jede Straße fortlaufend nummeriert und alle Bezeichnungen „Gasse“ in „Straße“ umbenannt. In diesem Zusammenhang wurden die Promenaden vor der Hoffischerei zur „Karlstraße“. Der Straßenzug „An der Hoffischerei“ ist von einem kaum veränderten Erscheinungsbild der Gründerzeit geprägt. Die straßenbildprägende Häuserzeile wurde zwischen 1900 und 1920 errichtet. Die teilweise villenartigen Wohnhäuser zeigen Schaufassaden mit schönen historisierenden Stilelementen. Am 01.10.2005 wurde ein Seniorenwohnheim an der Hoffischerei 2, der Stelle der früheren Fahrschule, die 1994 abgerissen wurde, eröffnet und An der Hoffischerei 4 befindet seit 1928 der katholische Kindergarten „Josephsheim“, der älteste Kindergarten der Stadt. Auch wenn die Straße heute eher eine der kürzeren ist, so hat sie doch eine lange Geschichte.