AHA-Effekt am Straßeneck

Straßenzusatzschilder für Jahnstraße und Friedrichstraße werden angebracht

Am 21. Oktober erhielten die Friesenstraße und die Jahnstraße ihr Zusatzschild im Rahmen der Aktion "AHA-Affekt am Straßeneck". Als Pate fungiert diesmal Jürgen Pohle.


Katja Finger vom Altstadtverein hat wichtige Informationen über das Leben der beiden Namensgeber für Sie zusammengefasst:

Karl Friedrich Friesen

bekannt als Turnlehrer

Wurde am 25.9.1784 in Magdeburg geboren.

Er besuchte zunächst die Altstädter Bürgerschule in Magdeburg.

Nach Schulbesuch in Magdeburg kam Friesen nach Berlin und studierte an der Bauakademie (nachweisbar April 1801 bis September 1802) Landvermessung, Architektur und Mathematik. Er interessierte sich dann jedoch stärker für Pädagogik
und Philosophie.

1807 bis Frühjahr 1808 arbeitete er als Zeichner bei Alexander von Humboldt für dessen mexikanischen Atlas.

1808 trat er als Lehrer in die nach Pestalozzis Ideen geführte Plamannsche Anstalt ein, in der kurz darauf auch Friedrich Ludwig Jahn und der Pädagoge Wilhelm Harnisch als Lehrer tätig waren. Er war nicht nur Kollege von Jahn, sondern auch
ein Freund.

Friesen führte das Fechten und Armbrustschießen in den Unterricht ein. 1808 gründete er die „Fechtbodengesellschaft“, 1811 eine Schwimmschule („Badehütte“). Seit 1811 beteiligte er sich auch am Turnbetrieb Jahns auf der Hasenheide und entwickelte das „Schwingen“ (Übungen am Pferd). Er gehörte dem 1810 bis 1812 bestehenden patriotischen „Deutschen Bund“ an und legte 1812 eine von Jahn bearbeitete Denkschrift „Ordnung und Einrichtung der Burschenschaft“ dem damaligen Rektor der Universität vor, der aber starke Bedenken gegen sie erhob. Deren Gedanken sind aber zum Teil von der 1815 in Jena gegründeten Burschenschaft wieder aufgenommen worden.

1813 trat er in das Lützowsche Freikorps ein, wurde später Lützows persönlicher Adjutant und ist am 15.3.1814 mit nur 29 Jahren in La Lobbe bei Rethel in Frankreich gefallen. Ein Freund suchte und fand 1816 seine Leiche, grub sie aus
und führte sie 26 Jahre mit sich, bis sie 1843 in Berlin auf dem Invalidenfriedhof eine ehrenvolle Ruhestätte fand.

Friesen gilt mit Jahn als Begründer des deutschen Turnens. Auch bei ihm steht die Leibeserziehung im Zusammenhang eines Programms der sittlich-nationalen Erneuerung. Wenn auch die unmittelbare Wirkung Friesens nur auf einen kleinen Kreis beschränkt blieb, so wurden doch seine Zielsetzung und sein Enthusiasmus von späteren Generationen aufgenommen, die sein Bild zu einem leuchtenden Vorbild heroisierten.

In Deutschland gibt es in vielen Städten eine Friesenstraße, wie z.B. in Magdeburg, Berlin, Leipzig und Halle, wo es auch eine Friesen-Grundschule gibt. Die genaue Anzahl der Straßen mit diesem Namen in Deutschland ist nicht bekannt.

Unsere Friesenstraße wurde im Jahr 1925 angelegt.

 

Johann Friedrich Ludwig Christoph Jahn

bekannt als Turnvater Jahn

Er wurde am 11. August 1778 in Lanz (heute Landkreis Prignitz) geboren. Jahn hatte zwei Schwestern.

Er war ein deutscher Pädagoge, nationalistischer Publizist und Politiker. Er initiierte die deutsche Turnbewegung, die mit der frühen Nationalbewegung verknüpft war, um die deutsche Jugend auf den Kampf gegen die napoleonische Besetzung vorzubereiten. Aus dem von ihm begründeten Turnen ging unter anderem die heutige Sportart Gerätturnen hervor. Zahlreiche Turngeräte wie beispielsweise das Reck und der Barren wurden von ihm eingeführt.

Zuerst wurde er vom Vater unterrichtet. 1791 besuchte er das Gymnasium in Salzwedel (Altmark), das 1931 nach ihm benannt wurde. Ab 1794 besuchte er das Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin, das er aber zwei Jahre später ohne Abschluss verließ.
Seit 1796 betrieb er theologisch-historische und deutschkundliche Studien an den Universitäten Halle, Frankfurt/Oder, Greifswald, Göttingen und 1798 trat er in einen freimaurerischen Studentenorden (Unitistenorden) in Halle ein.
Jahn siedelte nach längerer Hauslehrertätigkeit, mehreren Reisen und weiteren Studienversuchen in Göttingen und Jena 1809 nach Berlin über, wo er am Friedrich-Werderschen Gymnasium für einige Monate als Hilfslehrer eine Beschäftigung fand. Ein Anstellungsgesuch scheiterte, da er das „examen pro facultate docendi“ nicht bestand. Dennoch lehrte er weiter am Gymnasium zum Grauen Kloster und der Plamannschen Erziehungsanstalt.
1810 gründete er gemeinsam mit Friedrich Friesen den „Deutschen Bund“, den Vorläufer der Burschenschaften.
Während seiner Hauslehrertätigkeit hat er auch schon mit den Kindern im Freien geturnt. Laufen, Gehen, Springen, Werfen, Klettern und Schwimmen waren "Hauptkünste".
1811 gründete er in der Berliner Hasenheide den ersten Turnplatz Deutschlands.

1814 ging er die Ehe mit Helene Kollhoff († 1823) ein. Aus dieser Ehe stammen drei Kinder. Ein weiteres Kind starb früh.
Nach dem frühen Tod seiner Frau heiratete er 1825 Emilie Hentsch (1792–1876) und bekam mit ihr eine weitere Tochter.

1848 kandidierte Jahn für die erste deutsche Nationalversammlung und wurde im Wahlkreis 16 für Merseburg mit 89 von 148 Wahlmännerstimmen gewählt.

Am 15. Oktober 1852 starb Jahn in Freyburg an der Unstrut.

Unsere Straße wurde 1925 angelegt.