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Schnongs auf Hitsche. Kunst und Alltag in Mitteldeutschland

Die Ausstellung zeigt 13 künstlerische Positionen, die sich mit dem Alltag und dem Alltäglichen beschäftigen. Ist das ständig wiederkehrende Murmeltier Alltag freundlich oder hässlich? Wie begegnen zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler diesem Phänomen? Die Ausstellung gibt Einblicke in die Banalität, die Totalität und die Aktualität des Alltags. Auch die Poesie kommt nicht zu kurz. Ob der schnöde Schnongs auf einer Hitsche (Bonbon auf einer Fußbank) geschätzt wird oder nicht, ist eine Frage der Einstellung – und der Sensibilität.

Die Art und Weise, wie alltägliche Situationen in der Ausstellung künstlerisch transformiert werden, ist vielgestaltig. Von den 13 aus einem Wettbewerb ausgewählten Künstlerinnen und Künstlern macht sich Sinje Faby aus Leipzig, die sich seit einiger Zeit auf "lyrische Zustandsarbeit" (Poetographie) konzentriert, die Ästhetik scheinbar verwackelter, analoger Schwarz-Weiß-Fotografie zu Eigen, kombiniert mit rätselhaften Texten in Schreibmaschinenschrift.

Zu einer ähnlichen, in vergangene Zeiten weisenden Verfremdung kommt die Dresdnerin Antje Krohn mit Siebdrucken von unspektakulären Gegenständen wie Eimern oder Lichtschaltern. Wie Szenen aus einer romantischen Vergangenheit wirken die Fotografien der Serie "Fragmente des Alltags" von Stefan Scholz (Halle). Gegenständliche Stickereien und feine Zeichnungen von alltäglichen Verrichtungen der in Dresden lebenden Ines Lehmann erweitern das Spektrum künstlerischer Techniken und Themen. Mit dem Künstlerbuch der Hallenserin Annegret Rouél kommen weitere Techniken hinzu, ebenso wie weitere erzählerische Positionen: eine Bilderbuchreise in Holz- und Linolschnitten und ein Stadtspaziergang als Lithografie-Leporello. Bisweilen können die Stimmungen in den Bildern aber auch kippen, etwa in den Serien Peggy Bergers (Dresden) "When night is falling" und "Spinning" oder jenen des Leipziger Künstlers Metulczki, hinter deren dekorativem Schleier eine harte Wirklichkeit durchscheint ("Trinkgedächtnisse"), die auch aus seiner Biergläser-Serie und – mit ironischem Zug – aus seinen Installationen nicht wegzudenken ist. Michael Emig aus Magdeburg entwirft mit "Warten auf Hochwasser" eine skurrile Situation und reflektiert sein Künstlerdasein in einer Aquarell-Serie zum Thema Santiago. Wie bei Emig, so spielt auch bei Lehmann, Metulczki und Rouél das aufzeichnen bzw. dokumentieren eigener Alltagserfahrungen aus der Ich-Perspektive eine Rolle. Eine eigene Gruppe bilden die Serien der halleschen Fotografen Marco Warmuth, Joerg Lipskoch, Matthias Ritzmann und René Schäffer. Hier wird der Blick auf die Menschen unserer Zeit und unserer Region gerichtet – und auf ihr Wohnumfeld: auf einen Querschnitt der Gesellschaft ("Menschen des 21. Jahrhunderts", J. Lipskoch), auf Menschen, die das öffentliche Leben mitprägen ("Vereine", M. Ritzmann), und solche, die an ihm kaum mehr teilhaben ("Allein" oder "Das Vergessen vergessen", M. Warmuth). Bei Schäffer repräsentieren Balkone die abwesenden Bewohner. Abwesenheit und damit das Evozieren von Vorstellungskraft ist auch ein Thema bei den Installationen von Karolin Leitermann (Frankfurt am Main), die sich mit dem Phänomen des Kiosks in Werken auseinandersetzt, die man nicht nur sehen, sondern auch hören kann. Sehr empfehlenswerte Ausstellung, die noch bis zum 21. Juni 2015 im Schlossgartensalon geöffnet ist.

 

Sonntag 21.06.2015 Finissage

14.30 Uhr: Künstlerdialog: Marco Warmuth und Metulczki

Einführung und Moderation: Ruth Heftrig (Kuratorin)

16.00 Uhr: Konzert im Rahmen der Fete de la Musique

Band: Yugopop, Merseburg

 17.30 Uhr: Ausklang der Ausstellung

 

Die Ausstellung wird gefördert durch: Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt, Lotto

GmbH Sachsen-Anhalt, Kulturwerk der VG Bild-Kunst, Hypo Kulturstiftung, Stiftung

Honymus, Landkreis Saalekreis, Total

Öffnungszeiten: Mo–Fr 15.30 bis 17.30 Uhr; Sa–So 13.30 bis 17.30 Uhr


Autor: Kuratorin Ruth Heftrig

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